Neue Wege zur Überwachung

Menschen schätzen sich selbst falsch ein, wenn es um das Thema Müdigkeit geht. Sie meinen Sie können alles im Griff haben. Gerade im Verkehrswesen passieren immer wieder Unfälle die auf Müdigkeit zurückzuführen sind. Müdigkeitsunfälle passieren eher in der Nacht (zw. 1 und 3 Uhr) oder am Nachmittag zwischen der Zeit von 13 bis 15Uhr, diese Zeiten spiegeln das chronobiologische Tief des Körpers.

Es gibt eine neue Möglichkeit die Müdigkeit zu ermitteln, die Pupillometrie (PST). Elf Minuten dauert eine Messung, es ist die einfachste Methode zur objektiven Messung und Beurteilung der Tagesschläfrigkeit. Wissenschaftler vom Grazer Schlaflabor können mit einer speziellen Infrarot Kamera nun den Müdigkeitsgrad einer Person messen.

Pupillometrie

Die Aufzeichnung der spontanen und unbewussten Bewegung der Pupille im Dunkeln ist eine zwar noch relativ junge, zugleich aber auch die einfachste und bereits bewährte –Methode zur objektiven Messung und Beurteilung der Tageschläfrigkeit.

Dabei macht sich das Verfahren eine physiologische Eigenart des Organismus zu nutze. Die Pupille eines ausgeschlafenen Menschen erweitert und verengt sich unabhängig von den Lichteinflüssen im Dunkeln ständig um bis zu 0,5 Millimeter pro Sekunde. Bei einem übermüdeten Menschen sinkt die Frequenz dieses Pupillenspiels, während die Amplitude steigt.-die Geschwindigkeit zwischen Verengung und Erweiterung wird also abgeschwächt, während die Distanz zwischen Verengung und Erweiterung zunimmt.

Bei Erhöhter Einschlafneigung treten typische Pupillenbewegungen auf- langsame Schwankungen so genannte Schläfrigkeitswellen.

(Quelle: Univ.Prof. Dr. Manfred Walzl,Forschungsarbeiten aus dem Verkehrswesen,Bundesministerium für Verkehr,Innovation und Technologie 2008,S16ff)

Messung

Das spontane Pupillenspiel wird elf Minuten lang bei sitzendem Probanden aufgezeichnet und daraus der Pupillenruheindex (PUI) in Millimeter pro Minute berechnet. Die Personen tragen eine Spezialbrille zur Verdunkelung und bei Bedarf einen Hörschutz zur Abdämmung der Umweltgeräusche. Sie werden aufgefordert, entspannt in die Richtung eines Fixationslicht an der Kameraöffnung zu blicken.

(Quelle: Univ.Prof. Dr. Manfred Walzl,Forschungsarbeiten aus dem Verkehrswesen,Bundesministerium für Verkehr,Innovation und Technologie 2008,S16ff,Band174)






In einigen österreichischen Bundesländer wurden mit Univ. Prof. Dr. med Manfred Walzl ausgedehnte Untersuchungen durchgeführt und die Ergebnisse waren erschreckend.

24Prozent der PKW Lenker & 37% der LKW bzw. Busfahrer waren so müde, sodass sie nicht mehr mit dem Auto fahren hätten dürfen. Es gab aber einen LKW Fahrer der mehr als 50 Stunden unterwegs war und nur 5Stunden Pause machte. Eine Messung konnte bei ihm nicht gemacht werden, denn er schlief schon nach einer Minute ein ,obwohl laut Tachografen die Pausen und Lenkzeiten eingehalten wurde ! Aber man kann eben nicht nachweisen ob er seine Pausen für Erholung nutzte.

Leider passieren durch müde Autofahrer immer wieder schwerste Unfälle. Solche Kontrollen mit dem „Pupillometer“ könnten bald auf Straßen eingeführt werden , wenn die gesetzlichen Grundlagen dazu abgestimmt sind. Das Land Oberösterreich hat im neuen Verkehrssicherheitsplan entsprechende Richtlinien vorgesehen und ist somit Vorreiter.


Ein wichtiger Parameter zur Senkung der durch Müdigkeit verursachten Unfälle ist die eigene Einschätzung. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde auch dieses Faktum abgefragt. Die Fahrer konnten angeben, ob sie sich wach oder müde fühlten.
Die Selbsteinschätung der Müdigkeit wich massiv von den PST Daten ab.Während sich 91,3 Prozent der Fahrer wach fühlten, waren dies laut PUI nur 46,8 Prozent

(Quelle: Univ.Prof. Dr. Manfred Walzl,Forschungsarbeiten aus dem Verkehrswesen,Bundesministerium für Verkehr,Innovation und Technologie 2008,S25,Band174)

Demografische Daten
Im Rahmen dieser Studie wurden 1180 Probanden untersucht. Dabei handelte es sich um 1121 Männer und 59 Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 44,9 Jahre bei den Männern bzw. 39,3 Jahre bei Frauen
Die Fahrer stammten aus 30 verschiedenen Ländern des europäischen Kontinents.
Sämtliche Teilnehmer der Studie wurden auf die Freiwilligkeit der Untersuchung aufmerksam gemacht,wobei nochmals deutlich darauf hingewiesen wurden , daß ein Verzicht auf die Pupillometrie keinerelei Konsequenzen nach sich ziehen werde.
Insgesamt stimmten 96,11 Prozent der ursprünglich angehaltenen und zur Untersuchung gebetenen Fahrer einer Teilnahme zu.

Gesamtergebnis:

Von allen gemessenen Fahrinnen hatten 46,8 Prozent unauffällige,30,9 Prozent grenzwertige und 22,3 Prozent pathologische Messergebnisse.
Dies bedeutet,dass 53,2 Prozent der Probanden nicht oder nur mehr bedingt fahrtauglich waren.

73 Personen, das sind 6,2 Prozent der Gesamtgruppe, waren während des PST- Messung sogar eingeschlafen.

Bei 104 Personen (8,81 Prozent der Untersuchten) wurden Werte außerhalb der Mess Skala registriert.

(Quelle: Univ.Prof. Dr. Manfred Walzl,Forschungsarbeiten aus dem Verkehrswesen,Bundesministerium für Verkehr,Innovation und Technologie 2008,S19,Band174)

(Quelle:vgl. Schlaf gut,Univ. Prof. Dr. Manfred Walzl,2005,S89,Verlagshaus der Ärzte)